Brigit und Viktor in Paris und mein Date am Valentinstag

February 16th, 2018, Episodio 6

Zukker im Leben (CH)

0:00

0:00

Brigit und Viktor in Paris und mein Date am Valentinstag

Zukker im Leben (CH)

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
Herzlich Willkommen zur Sendung „Zukker im Leben“ vom 16. Februar 2018. Brigit und Viktor waren für ein Wochenende in Paris. Sehr romantisch, denken Sie? Grundsätzlich ja, aber nicht, wenn man im falschen Restaurant essen geht. Was da genau los war, erzähle ich Ihnen heute. Nach meinem ersten komischen Date habe ich Ihnen ja gesagt, dass ich weitere Männer treffen will. Mit wem ich den Valentinstag verbracht habe, erfahren Sie ebenfalls heute!
Viel Vergnügen!

***

Ich habe Brigit einen Koffer von mir ausgeliehen [1]. Sie hat nur sehr grosse Koffer und wie Sie sich vorstellen können, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, fällt es Brigit schwer, nur das Nötigste für ein Wochenende einzupacken. Ich habe ihr also einen Koffer gegeben, der genau so gross ist, dass er als Handgepäck [2] mit ins Flugzeug darf.
Bevor Brigit geht, bleibt sie stehen und sagt zu mir:
„Nora, ich habe ja enorme Flugangst. Zur Sicherheit hat mir der Arzt Beruhigungstabletten gegeben.“ Ich sage zu ihr: „Nimm einfach nicht zu viele Tabletten, es ist ja kein langer Flug nach Paris.“ Brigit schüttelt den Kopf und wünscht mir ein schönes Wochenende. Ich weiss ja, wovon ich rede, nach meinem Erlebnis mit den Schlaftabletten an Silvester.
Drei Tage später sitzt Brigit bei mir in der Küche und erzählt von Paris. Sie hat mir sogar ein Kühlschrankmagnet mit dem Eiffelturm drauf mitgebracht. Wahrscheinlich hat sie viel zu viel Geld für dieses kitschige Souvenir [3] ausgegeben und es irgendeinem Strassenverkäufer abgekauft, aber ich freue mich natürlich, dass sie an mich gedacht hat.
Brigit nimmt einen Schluck Kaffee und sagt dann: „Ich habe Viktor überzeugt [4], dass er sich von einem Maler malen lässt. Er musste eine ganze Stunde still auf einem Stuhl sitzen und durfte keine Miene verziehen [5] und weisst du was, während Viktor dort sitzen musste, war ich einkaufen. Da wollen Männer ja nicht mitkommen.“
Ich muss laut lachen und frage sie, was sie denn gekauft hätte. Das ist ja etwas heikel [6] bei Brigit, die ein Messi [7] ist. Natürlich hat sie gerade eine gute Phase, aber es kann jederzeit zu einem Rückfall [8] kommen. Brigit wird rot im Gesicht und schaut auf den Boden und sagt: „Spitzenunterwäsche!“ und ich dachte mir irgendetwas wie Tupperware oder ein Multipack Socken. Brigit holt Luft und ich habe Angst, dass sie mir jetzt erzählt, wie Viktor die Spitzenunterwäsche fand, was ich lieber nicht wissen möchte, aber Brigit sagt: „Es hätte so romantisch werden können in Paris, der Stadt der Liebe. Viktor und ich waren in einem sehr edlen [9] Restaurant und haben Meeresfrüchte gegessen.“ Ich bin mir fast sicher, was jetzt kommt und Brigit erzählt weiter: „Und dann wurde uns sehr schlecht und wir haben von unserem hübschen Hotelzimmer leider nur das WC gesehen. Abwechslungsweise mussten wir uns übergeben [10]. Es war sehr schlimm.“ Es tut mir leid für Brigit, dass ihr der Ausflug nach Paris nicht in guter Erinnerung bleiben wird.
Dann lacht sie und sagt: „Aber was super ist, ich habe drei Kilo abgenommen wegen der Magenverstimmung [11] und passe jetzt viel besser in meine neue Unterwäsche, weil ich sie etwas zu klein gekauft habe.“

***

Also ich finde den Valentinstag eine komische Erfindung [12]. Der 14. Februar ist der Tag der Liebe. Und wissen Sie, wer davon am allermeisten profitiert [13]? Die Blumenläden. Am Valentinstag schenken sich Paare Blumensträusse, rote Rosen zum Beispiel. Ich bin ja seit kurzer Zeit etwas angefressen [14] vom Onlinedating und dachte mir, ich treffe doch gleich am Valentinstag einen Mann und schaue, wie sich das anfühlt, am Tag der Liebe ein Date zu haben. Natürlich meine ich das nicht ganz ernst und sehe es viel mehr als soziales Experiment. Nachdem mein letztes Date mit Manuel etwas zwischen bizarr [15] und lustig war, habe ich in der Zwischenzeit mit zwei anderen Männern geschrieben, die sich über die Plattform bei mir gemeldet haben.
Luca, 35 und Anwalt hat sich nicht vom Valentinstag abschrecken [16] lassen und vorgeschlagen, dass wir zusammen essen gehen. Ich sage zu und finde mich mutig, weil man ja vorher nie weiss, ob man sich sympathisch findet und dann in einem Restaurant festsitzt.
No risk no fun, sagt meine Freundin Anna immer. Um sieben stehe ich vor dem italienischen Restaurant und Luca ist schon da. Er ist fast zwei Meter gross, trägt einen Anzug und hat ein sehr schönes Lächeln. Er hält mir die Tür auf und nimmt mir den Mantel ab. Ein richtiger Gentleman. Wir setzen uns an einen Tisch mit weissem Tischtuch und bekommen gleich einen Aperitif [17]. Luca schaut mich an und sagt: „Nora, du hast sehr schöne grüne Augen!“ Ich lache und sage ihm, dass ich ihn jetzt enttäuschen muss, weil mir das eigentlich alle sagen. Luca ist ganz froh, dass unser Essen kommt und fängt gleich an zu essen, damit er den Mund voll hat und nicht reden muss. Ich frage Luca, was er als Anwalt genau mache.
Luca sagt: „Ich bin Scheidungsanwalt. Im Moment ist es ja so, dass mehr als 50% der Ehen wieder auseinander gehen.“ Ich sage: „Ja, das ist ernüchternd [18] und man fragt sich, warum man überhaupt heiraten soll.“ Luca lacht und sagt zu mir: „Du bist sehr pragmatisch [19], das gefällt mir gut, Nora!“ Wir schauen uns lange in die Augen und für einen Moment knistert [20] es zwischen uns. Dann werden wir beide rot und reden dann über meine Arbeit. Luca findet es sehr spannend, dass ich mich für ein Leben als Künstlerin entschieden habe und sagt: „Ich finde das mutig, weil deine Arbeit sehr unsicher ist, aber du hast eine Leidenschaft, das ist schon toll!“
Dann kommt ein Rosenverkäufer ins Restaurant und geht von Tisch zu Tisch. Als er zu uns kommt, hält er Luca die Blumen hin, zwinkert [21] mir zu und bevor ich zum Verkäufer sagen kann, dass wir kein Interesse haben, hat Luca schon hundert Franken in der Hand, gibt sie dem Rosenverkäufer und ich bekomme den Strauss in die Hand gedrückt.
Nachdem wir zum Schluss noch einen Grappa [22] trinken, gehen wir zusammen aus dem Restaurant und Luca wartet mit mir bis der Bus kommt. Wir möchten uns umarmen, aber zwischen uns ist der grosse Rosenstrauss, also nimmt Luca mein Gesicht zwischen seine Hände und küsst mich. Und das kann er gut, der Luca.
Als ich zu Hause bin, schicke ich ihm ein Foto von den Rosen und bedanke mich für die Einladung.

***

Ich freue mich sehr, wenn ich Ihnen am 2. März, dann wieder auf Hochdeutsch, auf podclub.ch und in der App aus meinem Leben erzählen darf. In die Wohnung, aus der Tom ausgezogen ist, ist jetzt jemand Neues eingezogen. Wer das ist und wie unsere erste Begegnung war, werde ich Ihnen selbstverständlich erzählen. Luca und ich haben uns in der Zwischenzeit wieder gesehen, er gefällt mir sehr gut. Was wir gemacht haben, erfahren Sie natürlich auch das nächste Mal. Schauen Sie doch in der Zwischenzeit bei Instagram unter #PodClubNora und #zukkerimleben vorbei und üben Sie mit dem Vokabeltrainer in unserer App.
Auf Wiederhören!

Glossario

0 Commenti

Commenti