Der Ausflug auf ein Schloss und das Züri Fäscht

July 19th, 2019, Épisode 23

Zukker im Leben (CH)

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Der Ausflug auf ein Schloss und das Züri Fäscht

Zukker im Leben (CH)

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
Herzlich Willkommen zur Sendung "Zukker im Leben" vom 19. Juli 2019. Heute ist die letzte Sendung vor der Sommerpause und ich erzähle Ihnen von meinem Ausflug auf eine Schlossruine [1]. Und dann war das Züri Fäscht in der Stadt. Ich mag Volksfeste [2] nicht. Warum? Das erzähle ich Ihnen selbstverständlich alles heute. 
Viel Vergnügen!

***

Ich habe Dominik besucht. Ein Freund von mir. Er ist Schauspieler und spielt gerade in Heidelberg am Theater. Er hat mich zur Premiere von "Die chinesische Nachtigall" eingeladen. Das ist ein Märchen für Kinder ab vier Jahren. Dominik spielt den Kaiser von China und das Theater findet auf dem Schloss unter freiem Himmel statt. Das ist eine spektakuläre Kulisse [3] für Kinder und natürlich auch für Erwachsene. Jetzt war es aber 35 Grad und ich fahre im Zug von Zürich nach Heidelberg. Im Zug ist es zum Glück klimatisiert [4] und ich will eigentlich gar nicht aussteigen, als ich in Deutschland ankomme. 
Als ich zum Schloss hochlaufen will, merke ich, dass ich gar keine Wasserflasche dabei habe. Ich nehme die Zahnradbahn [5], sonst würde ich verschwitzen. 
Vor dem Schloss stehen viele kleine Kinder und genervte Eltern. Die Eltern wollen sich wohl lieber mit einem Bier in den Schatten setzen, als auf die Tribüne [6] des Theaters in die Sonne. Ich sitze neben einem Mädchen und ihrem Vater. Das Mädchen sagt zu mir: "Bist du nicht zu alt für dieses Stück?" Ich sage zu ihr: "Wahrscheinlich schon, aber ich kenne den Kaiser von China." Das Mädchen ist sehr beeindruckt und ihr Vater sagt ihr, dass der Kaiser von China gleich auf die Bühne kommt. Dominik und seine Kollegen tragen farbige asiatische Kostüme [7] und geben alles in der Hitze, was mich sehr beeindruckt. Sie sind alle geschminkt und sehen aus wie Chinesen. Sie haben schmale Augen geschminkt und tragen dünne schwarze Schnurrbärte [8], die sich in den Mundwinkeln kringeln [9]. 
Es ist keine einzige Wolke in Sicht. Ich klebe mit Schweiss an meinem Plastikstuhl fest und wenn ich die Gesichter der Eltern sehe, sieht man denen an, sie wollen, dass alles schnell vorbei ist. Die Kinder sind dafür sehr begeistert. Kurz bevor das Theater fertig ist, fällt Dominik der Schnurrbart ab und die Schminke läuft mit dem Schweiss von seinem Gesicht. 
Das Mädchen neben mir schreit vor Freude und sagt ganz laut: "Der Mann ist ja gar kein Chinese, Papa!" Es ist ganz still und dann bekommt Dominik einen Lachanfall, bis das Publikum applaudiert [10] und das Stück zu Ende ist. Als ich Dominik sehe, sagt er zu mir: "Ich liebe es vor Kindern zu spielen, man kann ihnen einfach nichts vormachen [11]."

***

Für drei Tage hat sich Zürich zu einer einzigen grossen Party verwandelt [12]. Die Innenstadt ist voll mit Attraktionen vom Riesenrad bis zu Bahnen, die man sonst nur im Erlebnispark findet. Überall stehen Stände mit Alkohol oder Essen und aus der ganzen Schweiz kommen Menschen nach Zürich, um sich zu betrinken [13] und zu feiern. Ich halte nichts von solchen Veranstaltungen. Einerseits fällt der Tram- und Busbetrieb mehrheitlich aus, oder die Trams werden umgeleitet [14] und man ist am schnellsten, wenn man zu Fuss von A nach B läuft. Und andererseits finde ich Massenveranstaltungen [15], wenn viele Menschen aufeinander kleben, immer etwas unheimlich. Wer weiss, was passiert, wenn jemand ausflippt [16] und man nicht ausweichen kann? 
Ich habe mich an diesem Wochenende vor allem in meiner Wohnung aufgehalten [17]. Das war sehr gemütlich. Am Freitag und am Samstagabend gab es drei Mal ein Feuerwerk auf dem Zürichsee. Am Freitag eines und am Samstag zwei hinter einander. Zwei hinter einander! Wissen Sie was das kostet? Sehr sehr viel. Und ein Feuerwerk hätte ja auch gereicht, dann bleibt es etwas schönes und besonderes. Knapp zwei Millionen Menschen kamen nach Zürich am Wochenende und Zürich will natürlich das grösste Fest der Schweiz sein, was funktioniert hat. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag klingelt es vier Mal. Es wird nicht aufhören, wenn ich nicht schaue, was vor meinem Haus los ist. Ich suche meine Brille auf dem Nachttisch, ziehe meinen Bademantel an und gehe in mein Wohnzimmer, wo ich aus dem Fenster auf die Strasse sehe. Ich öffne das Fenster und sehe zuerst niemanden. Ich rufe laut: "Hallo? Was ist denn hier unten los?" Ich höre Männerstimmen, die lachen. Dann kommen drei Männer Mitte Vierzig aus meinem Hauseingang auf die Strasse und grinsen mich an. Alle ihre Augen sind mindestens doppelt so gross. Sie haben offenbar Drogen genommen. Ich sage: "Wirklich jetzt? Ihr seid erwachsene Männer und klingelt an fremden Haustüren?" Sie können nur lachen. Der eine hat eine leere Flasche Vodka in der Hand, der andere zündet sich einen Joint an und der dritte muss kotzen [18], direkt auf die Strasse. Ich habe fast ein bisschen Mitleid [19] und frage: "Soll ich euch eine Flasche Wasser runter werfen?" Sie lachen immer noch und setzen sich dann auf die Strasse, direkt neben das Erbrochene. Ich könnte jetzt wieder ins Bett, aber ich bin viel zu neugierig und komme mir vor, als würde ich den Film "Hangover" schauen. Der eine legt sich auf den Rücken und schläft sofort ein, der andere steht wieder auf und tanzt, obwohl keine Musik läuft und der dritte schaut mit seinen grossen Augen zu mir hoch und sagt: "Wir dachten, vielleicht kommt noch jemand raus? Wir sind eben immer noch wach und haben an der ganzen Strasse bei jedem Haus geklingelt, aber du bist die Einzige, die aufgemacht hat." Ich lache und gehe in die Küche, hole Eiswürfel in einem Plastiksack aus dem Gefrierfach [20], gehe zurück ans Fenster und werfe sie nach unter. "Hier, damit ihr wieder klar denken könnt!" Er lacht sich krumm [21] und ich gehe ins Bett. 
Warum genau gehen Menschen ans Züri Fäscht? Ich glaube, ich fahre in drei Jahren, wenn es wieder stattfindet, einfach in die Berge.

***

Ich freue mich sehr, wenn ich Ihnen am 30. August, dann wieder auf Hochdeutsch, auf podclub.ch und in der App wieder aus meinem Leben erzählen darf. Dann erzähle ich Ihnen, wen ich in den Sommerferien treffen werde. Einen alten Bekannten, an den sie sich vielleicht auch noch erinnern. 
Er hat früher einmal mit mir im gleichen Haus gewohnt. Schauen Sie doch in der Zwischenzeit bei Instagram vorbei und üben Sie mit dem Vokabeltrainer in unserer App. Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer. 
Auf Wiederhören!

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