Spezielle Sendung von Helene Aecherli – Alaska und Glasi Hergiswil

July 6th, 2018, Épisode 11

Zukker im Leben (CH)

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Spezielle Sendung von Helene Aecherli – Alaska und Glasi Hergiswil

Zukker im Leben (CH)

Guten Tag, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, heute ist der 6. Juli, herzlich willkommen zur Sendung “Typisch Helene”. Ich weiss, eigentlich hätten Sie hier, auf diesem Podcast, die Stimme und die Geschichten von Nora Zukker erwartet. Nora hatte einen Unfall. Es geht ihr den Umständen entsprechend [1] gut, sie lässt Sie auf jedem Fall ganz lieb grüssen. Aber sie fällt [2] für einige Wochen aus. Ich habe nun die grosse Ehre, für Nora einspringen [3] zu dürfen. Und ich freue mich sehr, wieder hier im Studio zu sein. Fast drei Jahre lang war ich mit meiner Sendung “Typisch Helene” beim PodClub dabei. Im Dezember 2012 hatte ich meine letzte Aufnahme. Ehrlich gesagt, ich habe das Gefühl, es sei gestern gewesen.

Bevor wir loslegen, möchte ich mich noch kurz bei Ihnen vorstellen: Mein Name ist Helene Aecherli, ich bin Journalistin, halb Schweizerin, halb Schwedin und lebe in Zürich. Ich habe eine wunderbare 7-jährige Nichte [4] und lerne seit Jahren Arabisch – eine Sprache, die wohl ähnlich schwierig ist wie Deutsch.

So – nun fangen wir aber an: Zu Beginn gebe ich Ihnen ein paar Einblicke in meine Arbeit. Man sagt ja, Journalisten reden am liebsten über sich selbst und ihre Geschichten. Und das ist nicht ganz falsch. Danach erzähle ich Ihnen vom Ausflug mit meiner Nichte zur Glasi Hergiswil.

***

Wenn Sie mich jetzt fragen würden: “Was ist bei Ihnen in den letzten sechs Jahren eigentlich alles geschehen?”, dann müsste ich nachdenken, ja, ganz tief in mich gehen [5]. Was ist eigentlich alles geschehen? Es ist so vieles geschehen, dass mein Kopf bei dieser Frage erst einmal leer bleibt. Das liegt wohl daran, dass ich immer älter werde und das Gefühl habe, dass die Zeit immer schneller verfliegt: Kaum ist Weihnachten vorbei, ist wieder Sommer und dann beginnt man schon wieder, Weihnachtskarten zu schreiben. Fast schon beängstigend, nicht wahr?

Möglicherweise hat diese Leere im Kopf aber auch ganz einfach damit zu tun, dass ich im Moment ein bisschen müde und verwirrt bin. Denn ich bin erst vor kurzem aus Nord-Alaska zurückgekehrt und habe meinen Jetlag noch nicht ganz überwunden [6]. Die Zeitverschiebung zwischen Nord-Alaska und der Schweiz beträgt zehn Stunden – und die geht nicht einfach so an einem vorbei, oder zumindest nicht an mir.

Ich habe in Nord-Alaska die Stadt Barrow besucht. Barrow liegt etwa eine Flugstunde von Anchorage entfernt und ist die nördlichste Stadt der USA. Ich bin dorthin gereist, um eine Reportage darüber zu machen, wie die Menschen dort mit den Einflüssen des Klimawandels leben. Denn laut Wissenschaftlern ist Alaska, und gerade die Stadt Barrow, der Ort, wo sich das Klima weltweit am schnellsten erwärmt. Und das heisst: Das Eis wird dünner, der Permafrost schmilzt und es gibt vor allem im Herbst heftige [7] Stürme mit sehr hohen Wellen, die die Küste kaputt machen.

Ich bin also mit all diesen Informationen in Barrow gelandet – und war dann erst einmal total überrumpelt [8]. Denn die Stadt ist anders, als dass ich sie mir jemals vorgestellt habe. Es gibt keine asphaltierten Strassen, dafür noch sehr viel Schnee, der erst langsam zu schmelzen beginnt und sich in kleine Seen verwandelt. Die Häuser sind auf Stelzen [9] gebaut, die Fassaden der Häuser von Wind und Wetter verwittert [10]. Und das ganz Besondere ist: Da keine Strassen nach Barrow führen, muss alles mit dem Flugzeug eingeflogen werden. Alles. Lebensmittel, Getränke, Alkohol, Kleider, Schuhe, sogar Baumaterialien. Deshalb haben die Flugzeuge, die in den Norden Alaskas fliegen, häufig einen grösseren Frachtraum [11].

Vor den Häusern der Stadt häufte sich [12] unglaublich viel Blech: Ich sehe Schneetöffs, Schlitten, Velos, Autos. Und als ich genauer hinsehe, erkenne ich Rentierfelle, die über Treppengeländern hängen und riesige Fleischbrocken [13], die vor den Abfallcontainern liegen. Es ist Rentierfleisch, vielleicht sind es aber auch Fettstücke von Walen.

Barrow heisst seit einigen Jahren offiziell Utqiagvik. Das ist der Name, den die einheimische Bevölkerung, die Iñupiat, der Stadt ursprünglich [14] gegeben haben. Die Iñupiat sind ein Volk der Eskimos. Sie waren die ersten Siedler Nord-Alaskas und leben heute noch zum grossen Teil von der Jagd, besonders vom Walfang. Sie haben die Erlaubnis, eine gewisse Anzahl Wale pro Jahr zu fangen. In Barrow – oder eben, Utqiagvik – sind es etwa 22 Tiere pro Jahr. Die Iñupiat dürfen das Walfleisch aber nicht verkaufen, sondern nur für den Eigenbedarf [15] verwenden. Deshalb gibt es in dieser Stadt nur drei asiatische Restaurants, aber keines, in dem Wal serviert wird. Das habe ich aber erst nach einigen Tagen realisiert. In den ersten Stunden in der Stadt bin ich, wie gesagt, fast ein wenig überfordert [16]. Ich weiss zwar inzwischen, wie Städte im Nahen Osten funktionieren, aber Utqiagvik war erst einmal ein Rätsel.

Dieser Eindruck verstärkte sich noch, als ich sah, dass sehr viele Menschen dort sehr schlechte Zähne haben. Viele haben bloss Stummel [17], bei manchen fehlt eine ganze Zahnreihe. Ich erfahre später, dass dies unter anderem damit zu tun hat, dass die Bewohner Utqiagviks riesige Mengen an Süssgetränken zu sich nehmen: Coca Cola, Sprite, Energy Drinks, Milchshakes, was auch immer. Wasser trinken sie kaum. Wie aber passen die Süssgetränke mit dem Walfang zusammen? Diese Frage drehte sich ständig in meinem Kopf. Und es dauerte eine Weile, bis ich der auf den Grund gekommen bin [18].
Doch davon, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, erzähle ich Ihnen in der nächsten Sendung.

***

Nun kommen wir zu einem ganz anderen Thema:
Ein Thema, das gleichzeitig auch ein kleiner Ausflugstipp sein soll: Der Ausflug mit meiner Nichte zur Glasi Hergiswil. Die Glasi ist eine uralte Glasfabrik direkt am Vierwaldstättersee, in der man zusehen kann, wie Glas hergestellt wird und wo man zum Andenken [19] gleich selber eine Glaskugel blasen kann. Es gibt dort auch ein Labyrinth aus Glas und vor allem: einen Laden mit den neuesten Glasdesigns.
Mit dem Zug sind es von Luzern genau 13 Minuten nach Hergiswil, eine Gemeinde im Kanton Nidwalden. Ich wollte schon lange wieder einmal hinfahren, um mir eine neue Vase zu kaufen.
Also sind meine Nichte und ich letzten Samstag in den Zug gestiegen und nach Hergiswil gereist. Meine Nichte wollte erst gar nicht, sie fand das mega langweilig. Sie machte dann aber mit, als ich ihr sagte, dass es dort einen super Spielplatz hat mit einer Drachendame namens Leandra.

So weit so gut. Meine Nichte war also gespannt auf den Drachen, ich freute mich auf das Glasgeschäft. Wir kamen in Hergiswil an, folgten den Wegweisern zur Glasfabrik und – landeten direkt auf dem Spielplatz. Ich weiss noch immer nicht ganz genau, wie das geschehen konnte. Meine Nichte musste das Schild gesehen haben, auf dem “Spielplatz” steht, und diesen dann mit ihrer Tante an der Hand zielstrebig [20] angesteuert haben. Ich fand mich also plötzlich auf einem kleinen Sandhügel wieder, während meine Nichte auf die Drachendame kletterte. Die ist übrigens wirklich ziemlich imposant: Sie ist etwa so gross wie ein kleiner Elefant und hat ganz viele Zacken, über die man klettern kann. Und das Beste ist: Leandra besteht zu 100 Prozent aus Kunststoff und ist somit völlig ungefährlich. Meine Nichte kletterte rauf und runter, balancierte auf den Drachenflügeln und wagte sich sogar auf den Drachenschwanz hinaus.

Nur - nach zwei Stunden beim Drachen fiel mir auf, dass wir ja gar noch nicht im Geschäft gewesen sind. Vorsichtig gab ich meiner Nichte ein Zeichen: “Zeit für den Laden!”, rief ich ihr zu. Sie aber kletterte blitzschnell auf Leandras Kopf und rief: “Oh nein! Nicht in den Laden. Das ist mega langweilig!”

***
Und mit dieser kleinen Anekdote verabschiede ich mich für heute von Ihnen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Wir hören uns wieder am 20. Juli, dann wieder auf Hochdeutsch, hier auf podclub.ch oder via App. Dann erzähle ich Ihnen mehr von meinen Abenteuern in Nord-Alaska. Üben Sie bis dahin mit dem Vokabeltrainer in unserer App. Fotos zur Sendung finden Sie wie immer auf Instagram unter #zukkerimleben und #podclubnora. Also dann, geniessen Sie den Sommer. Bis bald! Auf Wiederhören!

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