Die Jogginggruppe und eine Umarmung

May 24th, 2019, Episode 21

Zukker im Leben (CH-D)

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Die Jogginggruppe und eine Umarmung

Zukker im Leben (CH-D)

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
Herzlich Willkommen zur Sendung „Zukker im Leben“ vom 24. Mai 2019. Ich habe um ein Haar [1] die Freundschaft mit meiner besten Freundin Anna aufs Spiel gesetzt [2]. Was ich gemacht habe, erzähle ich Ihnen heute natürlich sehr gerne. Letztes Mal habe ich Ihnen von meinem Fan erzählt. Jetzt bin ich dieser Frau begegnet. Das war ziemlich abgefahren [3]. Wie das war, erfahren Sie ebenfalls heute.
Viel Vergnügen!

***

Anna liebt Überraschungen. Gleichzeitig ist sie aber eine sehr neugierige Person und manchmal hat sie auch Momente, wo sie sich ausgeschlossen fühlt [4] und denkt, andere Menschen könnten über sie reden. Wenn wir zum Beispiel zusammen in eine Bar gehen und ich jemanden treffe, den ich kenne und Anna nicht, dann fühlt sie sich immer schnell ausgeschlossen. Sie sagt dann immer: „Ich weiss, das ist kindisch [5] Nora, aber als Mädchen wurde ich in der Schule immer wieder gemobbt [6].“ Das habe ich aber wieder vergessen, als ich vor einem Monat eine Whatsapp-Gruppe erstellte mit dem Namen: „Überraschungsparty“.
Dann hat der Bruder von Anna geschrieben, dass es doch sehr auffällig sei, wenn der Chat so heisse. Und ich dachte, Anna wird sich wieder ausgeschossen fühlen. Also habe ich ihn umgetauft in: „Jogginggruppe“. Anna hat sich ab und zu gewundert, wenn sie sah, dass ich Nachrichten bekomme in einer Gruppe, die zusammen joggen geht. Sie sagte: „Nora, da will ich wirklich nie dabei sein in dieser Gruppe.“ Es war perfekt: Anna hasst Sport. Mir fehlten noch drei Nummern und zwar von drei Jungs, die aber in Italien leben und Anna sie immer sehr vermisst, seit sie hier in Zürich lebt. Ich habe also etwas Kriminelles [7] gemacht. Als sie an einem Samstagabend bei mir war und wir eine Netflix Serie geschaut haben, ist sie eingeschlafen. Das ist meine Chance, dachte ich. Ich habe ihre rechte Hand genommen und ihren Daumen an das iPhone gehalten, wegen des Fingerabdruckes, den sie als Tastensperre [8] eingerichtet hat. Dann habe ich die drei Nummern notiert, allen geschrieben und sie haben sofort einen Flug gebucht. Anna wachte auf, das Telefon fällt runter und sie fährt mich an [9]: „Warst du an meinem Telefon? Gehts noch?“ Sie steht auf, ärgert sich und fragt mich, ob ich eigentlich unsere Freundschaft in Gefahr bringen will. Ich lache, weil ich nichts verraten darf. Anna verdreht die Augen und sagt: „Und jetzt lachst du mich auch noch aus?“ Dann weint sie und sagt: „Ich habe wieder vergessen, allen früh genug Bescheid zu geben, dass sie sich meinen Geburtstag reservieren.“ Ich tröste [10] sie und sage: „Ach, das ist blöd, aber du weisst doch, dass wir alle immer so viel los haben.“ Anna weint und sagt: „Warum kann man denn nicht einfach spontan sein?“ Ich verspreche Anna, dass wir zusammen etwas unternehmen [11] werden: essen gehen und danach in eine Bar und in einem Klub tanzen könnten.
Es ist Samstag um 12 Uhr und meine Wohnung wird in eine Bar verwandelt [12]. Fünf Freunde füllen den Kühlschrank mit Wein und Bier und machen Salate. Zwei Freunde blasen Luftballons auf und ich hole Anna und mache mit ihr eine Schifffahrt auf dem Zürichsee. So sind wir sicher nicht in der Nähe von der Bäckeranlage, wo die anderen das Fest vorbereiten. Um 18 Uhr laufe ich mit Anna zur Bäckeranlage und frage sie, ob wir hier noch ein Bier trinken wollen, bevor wir essen gehen. Wir laufen auf die Wiese und plötzlich bleibt Anna stehen, schaut mich wie ein kleines Mädchen an: „Nora, da vorne steht Stefano. Stefano aus Mailand.“ Das könne nicht sein, sage ich. Schon zu spät, alle springen aus dem Gebüsch [13] und singen Happy Birthday. Anna ist so gerührt, dass sie sehr schnell Champagner trinkt und nicht mehr aufhören kann, vor Freude zu weinen. Ich werde ihr Gesicht nie vergessen und lösche endlich die „Jogginggruppe“ auf Whatsapp.

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Ich habe Ihnen schon von meinem Fan erzählt. Also von der Frau, die mir den Schutzengel Tee vor die Tür gelegt hat. Sie hat sich nie mehr gemeldet. Ich habe ja auch nicht mehr reagiert und gedacht, das erledigt sich dann von alleine. Da habe ich mich aber getäuscht [14]. Als ich mit meinem Vater vor Kurzem zum Essen verabredet war, haben wir uns am Bellevue getroffen und sind zuerst noch etwas in der Sonne am See spazieren gegangen. Als wir uns auf eine Bank setzen und auf den See schauen, läuft eine Frau an uns vorbei und starrt [15] uns an. Mein Vater sagt zu mir: „Kennst du sie?“ Ich lache und sage: „Nein, nein.“ Sie läuft weiter, bleibt stehen und dreht wieder um. Dann bleibt sie vor unserer Bank wieder stehen und fragt meinen Vater: „Sind Sie der Vater von Nora Zukker?“ Mein Vater ist total überfordert [16] und sagt: „Ja, warum? Wenn Sie ein Autogramm [17] wollen, müssen Sie meiner Tochter eine Mail schreiben.“ Er meint es natürlich ironisch [18], aber dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen [19]: Das ist mein Fan. Ich muss jetzt etwas sagen, aber ich weiss nicht was. Da redet sie schon und sagt zu mir: „Frau Zukker, endlich sehe ich Sie in echt [20]! Ich bewundere Sie, Sie sind eine Heldin, wie Sie mir ihrem Unfall umgehen. Von Ihnen können wir alle noch viel lernen.“ Mein Vater merkt, dass es mir unangenehm ist und bittet sie, dass sie weiter gehen soll.
Zu spät! Sie springt auf mich zu und umarmt mich und sagt: „Ich konnte einfach nicht anders. Meine Energie wird sie beschützen!“ Dann ist sie weg und mein Vater ist etwas zwischen stolz und schockiert und sagt nur: „Das kommt jetzt davon, wenn du immer Fotos auf Facebook lädst.“
Wir lachen sehr und gehen dann eine Pizza essen. Bis mein Vater am Schluss sagt: „Kennt dich vielleicht der Kellner, dann bekommen wir sicher 50%.“

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Ich freue mich sehr, wenn ich Ihnen am 7. Juni, dann wieder auf Hochdeutsch, auf podclub.ch und in der App wieder aus meinem Leben erzählen darf. Dann erzähle ich Ihnen von einem Tag an dem ich einen dreijährigen Jungen gehütet habe.
Schauen Sie doch bei Instagram vorbei und üben Sie mit dem Vokabeltrainer in unserer App. Auf Wiederhören!

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