Im Verkehrshaus und die Handtasche von Brigit

May 14th, 2018, Episode 9

Zukker im Leben (CH-D)

0:00

0:00

Im Verkehrshaus und die Handtasche von Brigit

Zukker im Leben (CH-D)

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
Herzlich Willkommen zur Sendung „Zukker im Leben“ vom 14. Mai 2018. Ich war mit meiner Schulklasse im Verkehrshaus in Luzern. Zwei Schüler sind davongelaufen, was sie gemacht haben, erfahren Sie heute. Brigit hat sich im Internet eine Handtasche gekauft. Nicht ungewöhnlich denken Sie? Davon erzähle ich Ihnen heute natürlich gerne. Welche Themen interessieren Sie, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer? Schreiben Sie mir jederzeit, über was ich Ihnen erzählen könnte.
Viel Vergnügen!

***

Heute war der letzte Schultag mit meiner Klasse vor den Frühlingsferien. Mit dem Kopf sind die Jugendlichen sowieso bereits in den Ferien und deshalb bringt es nicht viel, wenn ich mit ihnen noch Grammatikübungen gemacht hätte. Wir sind ins Verkehrshaus nach Luzern gefahren. Waren Sie schon einmal dort, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer? Es ist ein sehr spannendes Museum. Man kann alte Eisenbahnen und Autos anschauen und erfährt, wie die Menschen früher durch die Schweiz gereist sind.
Es gibt wechselnde [1] Ausstellungen zur Mobilität [2] oder Kommunikation und immer dürfen die Besucher auch selber etwas ausprobieren [3]. Ich habe zu meinen Schülern gesagt, dass sie bis zum Mittagessen ganz frei sind und sich alles anschauen können, was sie interessiert. Ich habe in dieser Zeit die Aufsätze korrigiert und benotet [4].
Um 12 Uhr sitzen wir auf der Wiese vor dem Verkehrshaus und machen ein Picknick. Ausser Felix und Jan sind alle da. Lisa sagt: „Die sind sicher wieder nach Zürich gefahren und rauchen Marihuana.“ Bevor ich etwas sagen kann, ruft Emma: „Auf Instagram hat Felix gerade ein Foto gepostet. Sie sitzen in einem Pedalo auf dem See und trinken Vodka.“ Ich suche die Kontaktliste der Schüler raus und rufe Felix an. Er drückt mich weg [5]. Dann rufe ich Jan an. Er ist völlig betrunken und lallt [6] ins Telefon: „Haaaaloooo jaja wir sind, hicks, wir sind einfach ein bisschen auf dem See. Ist das ein Problem?“. Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, als Lehrerin muss ich in jeder Situation, die ich privat sehr lustig finden würde, absolut souverän [7] bleiben.
Ich sage zu Jan: „Wartet beim Bahnhof. Wir kommen dorthin und fahren dann alle früher als geplant nach Zürich zurück. Eure Aktion wird ein Nachspiel [8] haben.“ Die andern Schüler sind sauer [9], dass wir nicht länger im Verkehrshaus bleiben können und überlegen sich im Bus zum Bahnhof, was eine angemessene [10] Strafe für Jan und Felix wäre. Die Klasse ist sich einig: Handyentzug [11] für einen ganzen Tag. Das ist offenbar die Höchststrafe [12] für diese Generation. Als wir Jan und Felix am Bahnhof einsammeln [13] und im Zug sitzen, sind die beiden ganz still. Ich denke, ihnen ist schlecht, weil sie in der Sonne Vodka getrunken haben und jetzt betrunken sind, aber irgendwann sagen sie gleichzeitig: „Unsere Smartphones sind in den See gefallen, als wir aus dem Pedalo gestiegen sind.“ Die anderen der Klasse können sich ihr schallendes [14] Lachen nicht verkneifen [15].

***

Viktor ist für zwei Wochen weggefahren, weil er einen Freund in Spanien besucht. Brigit vermisst ihn sehr und vertreibt [16] sich die Zeit mit Onlineshopping.
Das ist für sie nicht ganz einfach, weil sie immer zu viel einkaufen will, aber sie hat sich gut im Griff [17] und hat sich für eine Handtasche entschieden. Heute ist sie ganz aufgeregt, als ich bei ihr zum Kaffee vorbei gehe. Es klingelt und der Pöstler [18] steht mit dem Paket vor der Türe. Brigit setzt sich an den Küchentisch, wie ein kleines Kind, das ein Geschenk bekommt. Sie öffnet den Karton, nimmt die Handtasche aus der Schachtel und öffnet sie. Dann sagt Brigit zu mir: „Schau, der Stoff steht hier so komisch heraus [19]“ Ich schaue in die Tasche und sehe es auch. Ich fahre über das Innenfutter [20] und sage zu Brigit: „Vielleicht sind hier Drogen versteckt.“ Wir lachen beide und Brigit macht mit ihrem Nähzeug [21] das Innenfutter auf. Ich bin gespannt, weil es natürlich grossartig wäre, wenn jemand Tausendernoten in der Tasche versteckt hätte.
Brigit weiss genau, was ich gerade denke und sagt zu mir: „Nora, das passiert nur in Filmen.“ Dann zieht sie ein vergilbtes [22] Papier aus der Tasche, das sorgfältig zusammen gefaltet ist. Brigit holt ihre Brille und liest vor: „Liebe Emilia, diese Tasche ist der Beweis für meine Liebe. Glaube mir, Teuerste [23], ich werde meine Familie bald für Dich verlassen. Dein Emil.“ Brigit und ich bestellen sofort eine zweite Tasche. Wer weiss, was dort drin versteckt ist.

***

Ich freue mich sehr, wenn ich Ihnen am 25. Mai, dann wieder auf Hochdeutsch, auf podclub.ch und in der App aus meinem Leben erzählen darf.
Ich hatte seit längerer Zeit wieder einmal eine Verabredung mit einem Mann. Ausgerechnet ein Fussballfan. Wie es war, erzähle ich Ihnen das nächste Mal sehr gerne. In der letzten Zeit war es ruhiger in der WG bei mir im Haus, bis letzte Woche. Was passiert ist, erfahren Sie dann ebenfalls.
Schauen Sie doch in der Zwischenzeit bei Instagram unter #podclubnora und #zukkerimleben vorbei und üben Sie mit dem Vokabeltrainer in unserer App. Auf Wiederhören!

Glossary

0 Comments

Comments