Die Badehose und die eifersüchtige Brigit

June 8th, 2018, Episode 10

Zukker im Leben (CH)

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Die Badehose und die eifersüchtige Brigit

Zukker im Leben (CH)

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
Herzlich Willkommen zur Sendung „Zukker im Leben“ vom 8. Juni 2018. Ich habe alte Kleider aussortiert und habe sie zur Kleidersammlung [1] gebracht. Dort habe ich Jürg kennen gelernt. Wie das war, erfahren Sie heute. Viktor und Brigit hatten eine Beziehungskrise und ich habe ihnen geholfen, dass sich die beiden zusammen an einen Tisch setzten. Davon erzähle ich Ihnen heute natürlich gerne.
Viel Vergnügen!

***

Ich habe einen kleinen Zwang [2], liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Immer wenn ich mir etwas Neues zum Anziehen kaufe oder ein paar neue Turnschuhe, muss ich dafür etwas Altes aussortieren. Das hat sich irgendwann so eingeschlichen [3] und seit einigen Jahren mache ich das sehr konsequent und habe im Gegensatz zu meinen Freunden einen sehr überschaubaren [4] Kleiderschrank. Sogar meine männlichen Freunde haben teilweise mehr Kleider als ich.
Kennen Sie das auch, wenn man eine Lieblingsjeans hat und noch drei andere Jeans im Schrank hätte, eben doch immer dieselbe anzieht? Als ich mir letzte Woche ein paar neue Jeans und eine Bluse gekauft habe, musste ich wieder aussortieren und gerade kamen die Säcke für die Kleidersammlung. Ich habe einen mit Kleidern gefüllt und einen zweiten mit Bettwäsche und Handtüchern, die ich nicht mehr brauche und froh bin, wenn Menschen, die bedürftiger [5] sind als ich, etwas davon haben. Als ich mit den zwei grossen Säcken im Bus stehe, rege ich mich auf, dass ich den Führerschein nie gemacht habe. Heute wäre ein Auto sehr praktisch. Völlig abgekämpft [6] stehe ich endlich vor den Containern, in die man die Säcke mit den Kleidern werfen kann. Neben mir steht ein Mann, der mit einem Sackmesser einen Kleidersack aufschlitzt [7]. Er bemerkt mich zuerst nicht und schlitzt einen zweiten Sack auf und wühlt [8] sich durch die Kleider. Ich überlege mir, warum ich die Säcke überhaupt gefüllt habe, wenn hier ein Mann steht, der sie wieder aufschlitzt. Plötzlich dreht er sich um, als hätte ich ihn bei etwas erwischt [9].
Er reibt sich die Hände an der Hose ab, gibt mir die Hand und sagt: „Hallo, ich bin Jürg und ich suche meine Badehose.“ Ich bin irritiert, weil ich erstens nie im Leben Unterwäsche oder Badehosen aus zweiter Hand [10] tragen würde und zweitens ist es, als würde Jürg gerade die Nadel im Heuhaufen [11] suchen. Jürg sieht nicht einmal aus wie ein Obdachloser [12], was mich noch viel mehr durcheinander bringt. Er macht sich wieder an die Arbeit und schlitzt einen nächsten Sack auf. Ich bleibe stehen und bevor ich irgendetwas sagen kann, sagt Jürg: „Wissen Sie, meine Frau hat mich für einen jüngeren Mann verlassen und schon vor einer Woche hinter meinem Rücken meine Kleider entsorgt und weil Sport gegen Liebeskummer helfen soll, suche ich jetzt hier meine Badehose.“ Ich bin zu Tränen gerührt und verabschiede mich von ihm. Ach die Liebe, sie bringt die Menschen manchmal wirklich durcheinander.

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Viktor war für zwei Wochen in den Ferien und Brigit ist sich sicher, er hat sie betrogen [13]. Sie hat mir in der Waschküche gesagt: „Weisst du Nora, eine Frau spürt das einfach, wenn ein Mann mit den Gedanken bei einer anderen Frau ist.“
Brigit ist sehr temperamentvoll, was sie zu einer ganz liebenswürdigen Person macht, aber wie Sie ja schon wissen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, kann Brigit auch gerne einmal übertreiben. Bevor ich etwas fragen kann, sagt sie: „Ich habe Beweise!“ und schon rennt sie heulend [14] in ihre Wohnung. Ich habe heute frei und kann mir für das Drama Zeit nehmen. Wir sitzen auf dem Balkon und Brigit sagt zu mir, dass sie heimlich Viktors Telefon ausspioniert [15] hätte. Die Pin-Codes von seinem und von ihrem Handy stehen auf einem Zettel am Kühlschrank, weil die beiden mit dem Alter manchmal etwas vergesslich sind. Während Viktor in der Probe von der Blasmusik [16] war, hat Brigit eine SMS gelesen. Sie liest sie mir vor: „Mein Schatz, ich kann nur noch an dich denken, seit wir gestern am Strand spazieren gegangen sind und die Sonne unterging und eine Sternschnuppe vor uns ins Meer fiel. Meine Gefühle sind unbeschreiblich [17], was ich für dich empfinde, habe ich noch nie erlebt und ich hoffe, dass unsere Liebe trotz der Distanz eine Chance bekommt.“
Ich kann nicht fassen, was mir Brigit vorgelesen hat und zur Sicherheit will ich die SMS selber lesen, aber es steht genau das drin. Brigit holt einen Kräuterschnaps aus dem Schrank und giesst sich ein grosses Glas ein. Ich kann mir das gar nicht vorstellen, dass es für Viktor noch eine andere Frau gibt. Ich hole ihr ein grosses Glas Wasser, weil es nicht gut ist, wenn sie betrunken auf dumme Ideen kommt. Viktor kommt eine Stunde früher nach Hause als normalerweise und steht in der Küche. Ich will gehen, aber Brigit sagt zu Viktor: „Nora bleibt hier und du setzt dich sofort hin und erklärst mir, was mit dir los ist.“ Er setzt sich hin und sagt: „Ich habe Migräne [18] und möchte jetzt gerne ins Bett gehen.“ Brigit steht auf, stützt ihre Hände in die Hüften und versperrt [19] ihm den Weg aus der Küche. Dann platzt ihr der Kragen [20] und sie schreit Viktor an: „Bist du wirklich so blöd, dass du die andere Frau nicht besser vor mir verstecken kannst?“ Viktor wird weiss im Gesicht, ich hole ihm auch ein grosses Glas Wasser und sage, dass sie sich jetzt wie Erwachsene an den Tisch setzen und sich aussprechen [21] müssen. Brigit will schon wieder schreien, aber ich lege ihr die Hand auf den Arm, um sie zu beruhigen.
Viktor fühlt sich gar nicht gut und wischt sich den Schweiss von der Stirn. Brigit sagt: „Immer wenn es wichtig ist, sagst du kein Wort!“
Ich bitte Brigit einen Moment ruhig zu sein. Viktor nimmt sein Telefon und öffnet wortlos [22] die SMS, die Brigit und ich gelesen haben und dann sagt er: „Meinst du diese Frau, Brigit?“ Brigit flippt aus und fragt ihn, ob es noch eine dritte oder vierte oder fünfte Frau gibt. Viktor lacht und sagt: „Das Handy von Franz ist in den Ferien ins Meer gefallen und damit er mit der Frau, in die er sich verliebt hat am Strand schreiben konnte, habe ich ihm mein Telefon ausgeliehen.“ Dann steht Viktor auf, küsst Brigit und sagt zu ihr: „Jede Frau, die auch nur ein bisschen weniger verrückt ist als du, würde ich unglaublich langweilig finden.“ Bevor die zwei es bemerken, bin ich schon weg aus der Wohnung.

***

Ich freue mich sehr, wenn ich Ihnen am 22. Juni, dann wieder auf Hochdeutsch, auf podclub.ch und in der App aus meinem Leben erzählen darf. Ich war zum ersten Mal dieses Jahr in Bern in der Aare baden. Davon erzähle ich Ihnen das nächste Mal gerne. Üben Sie doch in der Zwischenzeit mit dem Vokabeltrainer in unserer App und schauen Sie bei Instagram unter #podclubnora und #zukkerimleben vorbei.
Auf Wiederhören!

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